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Ein Tag in der Sozialen Betreuung

Wie sieht ein Arbeitstag im Seniorenzentrum eigentlich aus? Unser Auszubildende und dualer Student Stanislaw Manske erzählt.

Stanislaw Manske absolviert ein Duales Studium Pflege bei der Caritas. Neben seiner Ausbildung zur Altenpflegefachkraft besucht er Vorlesungen an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Die dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger wird Stanislaw Manske im Dezember 2018 abschließen.

Aktuell bin ich im Wohn- und Pflegezentrum St. Joseph in der Sozialen Betreuung eingesetzt. Um fünf Uhr stehe ich auf, frühstücke, mache mich fertig und gehe dann um halb sieben aus dem Haus. Ich fahre jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit. Von meinem Wohnort Bochum bin ich etwa 40 Minuten unterwegs. Wenn ich gegen zwanzig nach sieben in St. Joseph ankomme, gehe ich in die Umkleide und ziehe meine Dienstkleidung an. Aus hygienischen Gründen bleibt die stets hier und wir nehmen sie nicht mit nach Hause.

Lebensraum der Bewohnerinnen und Bewohner achten

Als erste Aufgabe steht dann das Frühstück an. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner frühstücken auf den Wohnbereichen, pro Wohnbereich gibt es drei Speiseräume. So habe ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen etwa acht Bewohnerinnen und Bewohner zu betreuen. Wir bereiten das Essen vor und unterstützen bei der Speiseaufnahme. Vor allem geht es aber darum, gute Laune zu verbreiten und mit den Seniorinnen und Senioren ins Gespräch zu kommen. Ich frage die Bewohnerinnen und Bewohner, wie sie geschlafen, was sie geträumt haben. Dabei ist mir eines ganz wichtig: Das hier ist der Lebensraum der Bewohnerinnen und Bewohner. Ich bin nur zu Gast.

Sechs Wochen ist Stanislaw Manske in der Sozialen Betreuung eingesetzt. Als Student der Pflege war er bei der Caritas außerdem bislang neben der Pflege in St. Joseph, in der Wachkoma- und Intensivpflege, in einer gerontopsychiatrischen Station, einer Kinderstation sowie einer psychiatrischen Station eingesetzt.

Nachdem wir das Frühstück abgeräumt haben, bereiten meine Kolleginnen und Kollegen und ich alles für die Gymnastikrunde vor. Wer Lust hat, kommt vorbei. Meist sind etwa zehn Bewohnerinnen und Bewohner dabei. Es geht darum, die Damen und Herren zu aktivieren und in Bewegung zu bringen. Wir fangen ganz einfach damit an, Luftballons hochzuhalten, dann nehmen die Bewohnerinnen und Bewohner vielleicht einen Schläger in die Hand und nutzen einen schwereren Ball. Schultern, Arme, dann die Beine und Füße – alle Körperteile werden nacheinander aktiviert. Zwischendurch machen wir natürlich auch Trinkpausen oder quatschen einfach ein bisschen.

Auch die Azubis schreiben Dokumentation

Die Gymnastikrunde endet mit Lockerungsübungen und Dehnen. Außerdem lesen Stanislaw Manske und seine Kolleginnen und Kollegen meist eine Geschichte zur Entspannung vor. Dabei greifen sie aktuelle Themen wie zum Beispiel Feiertage oder Jahreszeiten auf. Nachdem Manske und seine Kolleginnen und Kollegen alle Bewohnerinnen und Bewohner wieder auf ihre Zimmer, in die Cafeteria oder wohin sie auch wollen gebracht haben, steht noch die Dokumentation an: Etwa eine halbe Stunde notiert Stanislaw Manske Details zu den Befindlichkeiten der Seniorinnen und Senioren. Wie haben sie zum Beispiel auf die Gymnastik reagiert, wie rege haben sie teilgenommen? Entsprechend gibt Manske dann auch Ergotherapeuten und Physiotherapeuten Rückmeldung.

Gegen 12 Uhr bereiten wir dann gemeinsam mit den Küchenkräften das Mittagessen vor. Auch das wird auf den einzelnen Wohnbereichen eingenommen. Wir bringen die Bewohnerinnen und Bewohner zu ihren Tischen und unterstützen beim Essen. Und natürlich sind wir auch wieder für Gespräche und Zuneigung da. Nach dem Mittagessen mache ich dann selbst eine halbe Stunde Pause. Im Pausenraum oder im Garten trifft man die Kolleginnen und Kollegen. Wir essen und trinken etwas, quatschen über Gott und die Welt. Natürlich ist Fußball oft Thema, wobei ich mir hier in Dortmund teilweise viel anhören muss – ich sympathisiere mit Bayern und Schalke.

Am Nachmittag stehen verschiedene Aktivitäten für die Bewohnerinnen und Bewohner auf dem Programm, Stanislaw Manske organisiert mit Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel einen Spiele- oder Lesekreis.

Biographiearbeit findet Stanislaw Manske besonders spannend

Es geht dabei viel um Biographiearbeit. Ich finde diesen Bereich höchst interessant und mit den Lebensgeschichten der Bewohnerinnen und Bewohner können wir nicht nur die Individualität der Menschen fördern, sondern über ein ganzheitliches Menschenbild auch eine differenzierte Pflege möglich machen. Gerade bei Menschen mit Demenz ist das besonders wichtig. Wenn wir zum Beispiel einen Text über eine Hochzeit lesen, fragen wir die Bewohnerinnen und Bewohner, wie denn ihre eigene Hochzeit war und manche kommen dann richtig ins erzählen. Einer unserer Bewohner hatte beispielsweise früher eine Bar. Da knüpfen wir dann immer wieder an. Wichtig ist beim Vorlesen übrigens langsam, deutlich und laut zu lesen, damit auch die Bewohnerinnen und Bewohner mit Einschränkungen alles verstehen.

Wenn die ungefähr anderthalb Stunden vorbei sind, halten viele Bewohnerinnen und Bewohner Mittagsruhe. Stanislaw Manske mag die Zeit, in der es etwas ruhiger ist, besonders gern: Dann nimmt er sich bewusst viel Zeit, für einzelne Seniorinnen und Senioren, die einfach ein bisschen plaudern möchten.

Ich besuche gerne Bewohnerinnen oder Bewohner auf ihren Zimmern und wir unterhalten uns. Hier kann ich dann auch das, was ich in der Theorie über Biographiearbeit gelernt habe, in der Praxis umsetzen. Ich nehme zum Beispiel aktuelle Zeitungen mit. Einem früheren Speditionskaufmann lese ich dann zum Thema Logistik vor und wir reden darüber.

Nach dem Pflegeexamen folgt der Bachelor

Gegen 16 Uhr geht die Schicht bei der Sozialen Betreuung langsam ihrem Ende zu. Stanislaw Manske übernimmt noch verschiedene Aufgaben. Zum Beispiel hilft er einem Kollegen beim Aufbau des „Kinos“, das an diesem Tag einen Ruhrgebietsfilm von Regisseur Adolf Winkelmann zeigt. Und dann muss der Auszubildende noch die Dokumentation für diesen Arbeitstag fertig machen und schriftlich festhalten, wie es den einzelnen Bewohnerinnen und Bewohnern so ging.

Dann verabschiedet sich Stanislaw Manske von allen, schlüpft wieder in seine private Kleidung und fährt zurück nach Bochum. Wenn er Ende des Jahres sein Examen als Altenpfleger in den Händen hat und er in dem Beruf arbeitet, steht für Manske im Juni 2019 noch der Studienabschluss mit dem Bachelor auf dem Programm. Auch seinen Master möchte Stanislaw Manske noch dranhängen. Ihn fasziniert an seiner Arbeit am meisten, die Theorie in der täglichen Praxis anzuwenden.

Das leistet die Soziale Betreuung

Soziale Betreuung hat das Ziel, die Fähigkeiten und Interessen sowie die geistige und körperliche Mobilität der Bewohner zu erhalten oder neu zu wecken. Die Bewohner sollen die Möglichkeiten haben, ihren Alltag weitgehend selbstbestimmt leben zu können. Die Angebote der Sozialen Betreuung richten sich an Gruppen und Einzelpersonen. Die Aktivitäten umfassen die Organisation von Veranstaltungen und jahreszeitlichen Festen.

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