Sie sind hier:

„Falsches Bild von unserem Beruf“

Wie empfinden die Pflegefachkräfte der Caritas Dortmund eigentlich die Diskussion über Überlastung? Wir haben mal nachgefragt.

Was Sabina Bolle wirklich stresst? „Ich kann nicht verstehen, dass alles so schrecklich sein soll“, sagt die examinierte Altenpflegerin aus dem Dortmunder Caritas-Altenzentrum St. Antonius. „Menschen, die die Altenpflege nicht kennen, haben ein völlig falsches Bild von unserem Beruf.“ Und so wäre es für Sabina Bolle schon ganz entspannend, wenn sich die öffentliche Meinung und die Medien auch mal mit der „guten“ Seite der Pflege beschäftigen würden. Diese andere, erfüllende Seite der Pflege, erlebe sie zum Beispiel auch nach 20 Jahren im Beruf. „Wer für sich selbst einen guten Weg findet und sich einen Ausgleich schafft, kann mit der Belastung gut zurechtkommen“, sagt Sabina Bolle. So hat sie ihre Strategie, mit dem täglichen Stress umzugehen, längst gefunden. Zum einen sei das tolle Team in St. Antonius extrem wichtig, zum anderen habe sie ausreichend Ausgleich Zuhause: Lesen, Sport, der große Garten und natürlich die Familie samt zweier Enkelinnen. „Stress ist für mich auch eine Einstellungssache. Es kommt darauf an, wie man sich selber fühlt“, sagt Sabina Bolle.

„Sich selbst Ressourcen schaffen“

Aber was ist mit dem viel zitierten Zeitdruck in ihrer Branche? „Ich habe gelernt, mich gut zu organisieren und alles Schritt für Schritt abzuarbeiten. So kann man sich selbst Ressourcen schaffen“, sagt Sabina Bolle. Ein weiterer Vorteil: Die Fachkräftequote im Altenzentrum St. Antonius liegt über den gesetzlichen Vorgaben, wovon alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses profitieren. Und wo es manchmal doch hakt, „fängt einer den anderen auf“, wie Sabina Bolle über sich und ihre Kolleginnen und Kollegen im Dortmunder Nordwesten sagt. Zudem machen viele Hilfsmittel wie Pflegebetten oder Aufstehhilfen das Leben der Pflegerinnen und Pfleger im Hause leichter. Einzig für die recht aufwändige Dokumentation wünscht sich Sabina Bolle endlich ein EDV-gestütztes System. Die Planungen dafür laufen bereits. Auch die Dienstplangestaltung in St. Antonius funktioniert gut, vier Wochen im Voraus kennst Sabina Bolle ihre Schichten, die Wochenenddienste folgen einem festen Rhythmus und stehen damit schon auf Jahre fest.

Individuell angepasste Einsatzpläne

Heute hat Sabina Bolle Frühdienst, muss also von 6.30 Uhr bis 14 Uhr arbeiten. Wenn die Woche zu Ende geht, wird sie nach einem Frühdienst am Freitag ein freies Wochenende haben und am Montag erst um 13 Uhr für mehrere Tage in den Spätdienst bis 20.30 Uhr wechseln. Sabina Bolle empfindet die wechselnden Schichten nicht als Belastung. Sie sieht eher die Vorteile, auch morgens mal frei für Privattermine zu haben. Ohnehin ist das System – bei konkretem Bedarf – nicht komplett starr. Wer morgens seine Kinder in den Kindergarten bringen muss, kann einen angepassten Einsatzplan bekommen.

Und wenn die Schicht dann wieder beendet ist, ist es für Sabina Bolle wichtig, die Gedanken an die Arbeit auch im Altenzentrum zu lassen. Als Berufsanfängerin sei es ihr nicht immer ganz leicht gefallen, gerade traurige Ereignisse bei der Arbeit wie den Tod einer Bewohnerin oder eines Bewohners nicht näher an sich heran zu lassen. „Natürlich belasten manche Ereignisse junge Kolleginnen und Kollegen mehr als uns alte Hasen. Und es ist normal, dass dann Selbstzweifel aufkommen.“ Ganz wichtig seien deshalb die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Und das sucht Sabina Bolle zum Beispiel gleich in der Pause.

Zurück zum Seitenanfang