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Mann – und Azubi in der Altenpflege

Allein unter Frauen? Richard Jesse ist als Mann in der Altenpflege einer von wenigen. Und seine Ausbildung gibt ihm unheimlich viel.

Eigentlich kann Richard mit der Frage gar nicht viel anfangen. „Ich habe kein Problem damit“, sagt er und wischt gleich mal alle Überlegungen beiseite, als Mann unter lauter Frauen könnte er im Altenzentrum St. Antonius eine Sonderrolle einnehmen. Auch für seine Kolleginnen spielt es offensichtlich keine Rolle, dass Richard der einzige männliche Auszubildende in der Altenpflege und überhaupt nur einer von drei Kollegen im Hause ist.

Als Mann in der Altenpflege hat er einen anderen Zugang zu den Bewohnern

Im Gegenteil: Richard findet gerade zu Bewohnern häufig einen besseren Draht als seine Kolleginnen, die wiederum sind vielleicht bei den Bewohnerinnen in bestimmten Situationen mehr gefragt. Für Richard zählt – wie für seine Kolleginnen – ohnehin eines am meisten: „Es ist toll, anderen Menschen helfen zu können“, sagt er.

Direkt nach dem Abitur machte er schon Bekanntschaft mit dem Haus in Huckarde, als er seinen Bundesfreiwilligendienst in der sozialen Betreuung absolvierte. Von da war der Weg zur Ausbildung dann nicht mehr weit und in der Einrichtung fühlt sich Richard mittlerweile fast wie Zuhause. „Das ist hier wie in einer großen Familie“, sagt der 22-Jährige. Sogar an Weihnachten ist er deshalb gerne im Haus, mag einfach die Stimmung dann.

85 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege sind weiblich

Natürlich erlebt er auch die anstrengenden Seiten des Jobs. Schichtwechsel oder das frühe Aufstehen findet Richard nicht immer angenehm. Andererseits: Wenn er Frühschicht hat, bleibt anschließend noch reichlich Zeit für sein Hobby, das Krafttraining. Anderthalb Stunden täglich verbringt er im Fitnessstudio. Auch für seinen Job sei eine gestärkte Muskulatur ja nicht verkehrt, sagt Richard. Und wenn seine Kumpel sich manchmal über seine Berufswahl wundern, erklärt er geduldig, was für ihn wichtig ist.

„Gebraucht zu werden, ist einfach ein gutes Gefühl. Und wenn Angehörige mir sagen, dass es ihrem Vater oder ihrer Mutter bei uns gut geht, ist das einfach schön“, sagt er. Viele hätten ohnehin ein falsches Bild von seinem Job. „Sie sehen die Zusammenhänge nicht, die Arbeit mit den Angehörigen, die Versorgung mit Medikamenten zum Beispiel“.

Richards Sicht auf die Welt hat sich verändert

Nach und nach durchläuft Richard in seiner Ausbildung alle Wohnbereiche des Hauses. Gerade unterstützt er vor allem Demenzerkrankte. Und natürlich ist er im Gegensatz zu den meisten seiner Freunde auch schon mit dem Tod konfrontiert worden: „Meine Sicht auf die Welt hat sich verändert. Ich bin erwachsener geworden und führe sicher ein bewussteres Leben.“

Und so möchte sich Richard aus seinem Job allein unter Frauen auch gar nicht wegdenken. Was er nach der Ausbildung vorhat? „Ich würde hier gerne als Pflegekraft arbeiten“, sagt er.

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