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Nur gemeinsam stark

Die Chefin sagt alleine, wo es langgeht? In dem Altenzentrum der Caritas Dortmund wird ein ganz anderer Ansatz gepflegt.

Wenn Ute Stromann durchs Haus geht, dann kommt häufig ein Lob über ihre Lippen. „Wenn ich etwas Positives sehe, dann sage ich das auch“, sagt die Einrichtungsleiterin des Caritas-Altenzentrums Peter und Paul. Ihr geht es um eine wertschätzende Kommunikation – nicht nur mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern auch zwischen den Beschäftigten von der Pflege bis zum technischen Dienst und den Bewohnerinnen und Bewohnern. „Unser Haus ist ein System, in dem Menschen arbeiten und leben. Und alle müssen gut miteinander auskommen können“, sagt Ute Stromann. Dahinter steckt der systemische Führungsansatz, den viele Einrichtungsleiterinnen und Einrichtungsleiter der Caritas in Dortmund verfolgen. Selbstorganisatorische Prozesse zu fördern steht im Vordergrund. Dazu gehört beispielsweise ein transparenter Umgang mit Entscheidungen, der Blick über den Tellerrand, eine eigene Haltung sowie eine konstruktive Fehler- und Feedbackkultur zu entwickeln.

Es geht darum, Bedürfnisse wahrzunehmen

Schon die Vorstellungsgespräche verlaufen im Altenzentrum Peter und Paul deshalb manchmal etwas ungewöhnlich. „Ich frage Bewerberinnen und Bewerber zum Beispiel, unter welchen Bedingungen sie aktuell gut arbeiten können“, sagt Ute Stromann. Zunächst seien die Kandidatinnen und Kandidaten meist etwas überrascht. „Dann sagen sie meist offen und ehrlich, was sie brauchen.“ Ohnehin haben alle im Haus offene Augen und Ohren für Kolleginnen und Kollegen und vor allem natürlich für die Bewohnerinnen und Bewohner. Es geht darum, Bedürfnisse wahrzunehmen, erläutert Ute Stromann. Um diese Bedürfnisse auzuloten trifft sich beispielsweise auch der „Arbeitskreis Demenz“ einmal im Monat. Dabei tauschen sich nicht nur Pflegefachkräfte über den Umgang mit dementen Seniorinnen und Senioren aus, auch die Hauswirtschaft und die Soziale Betreuung sind selbstverständlich daran beteiligt. Falls dann doch etwas mal nicht so klappt in dem Haus in Kamen-Methler, ist der Umgang mit Fehlern ganz wichtig. Wenn Ute Stromann von Fehlerkultur spricht, dann meint sie nicht die Suche nach Schuldigen: „Wenn etwas schiefläuft, dann ist es keine Schuldfrage. Ich möchte eine angstfreie Atmosphäre, in der jeder zu dem stehen kann was passiert ist und wir dann im gemeinsamen Prozess versuchen, es besser zu machen.“ Dazu zählt auch, dass sich in dem relativ kleinen Haus alle als große Gemeinschaft verstehen und sich jeder nicht nur im kleinen Team wohlfühlt.

„Strahlen in den Augen“

Für Ute Stromann geht das nur über eine wertschätzende Kommunikation, die sie versucht, vorzuleben. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Transparenz von Entscheidungen, die dank der Offenheit besser für alle nachvollziehbar werden. Im Idealfall muss die Einrichtungsleiterin auch nicht in sämtliche Prozesse eingreifen. „Dann ist es gar nicht mehr so wichtig, dass ich da bin“, sagt Ute Stromann. Zugleich müsse sie dann auch damit leben, wenn mal etwas nicht so ist, wie sie selbst es sich vielleicht vorgestellt hätte. Um selbst sattelfest beim Prinzip der systemischen Führung zu werden, absolviert Ute Stromann derzeit mit Kollegen der Caritas eine Weiterbildung. „Und wir alle gemeinsam in Peter und Paul lernen, diese Grundsätze umzusetzen. Es ist ein belebendes und zugleich lebendes System“, sagt Ute Stromann. So müssten manche sich auch erst an dieses neue kommunikative Miteinander gewöhnen. „Häufig haben neue Kolleginnnen und Kollegen aber direkt ein Strahlen in den Augen, wenn sie von unserem Umgang erfahren.“

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